Veranstalten

Ihr möchtet selbst ein Humus-Festival veranstalten?

Macht doch! (:

 

Um den Humus-Geist zu verbreiten und in sämtliche Winkel zu bringen, ist es unerlässlich, dass so viele Menschen wie möglich daran mitgestalten.
Deshalb veranstaltet selbst ein Festival, wenn ihr mögt!
Um diesen Geist zu erhalten und zu pflegen findet ihr hier die Ideen, nach denen ein Humus-Fest ausgerichtet sein sollte, um als solches aufzutreten.

 

Die Humus-Kriterien

Das Humus-Festival ist ein selbstorganisiertes, 8-tägiges Treffen, bei dem ca. 80 Menschen zusammenkommen, um zu spielen.

Die folgenden Ideen sind der Schlüssel für die Organisation und Umsetzung des Festivals. (inspiriert von Christopher Alexanders Ökosystem-Kriterien)

 

 

01. Vernetzung

  Die Basis.

Die Basis des Festivals wird durch Permakultur, Wildnispädagogik und (Food)sharing / Flake gebildet.

Daraus entstand folgende Ethik: Earthcare, Peoplecare, Fairshare & Awareness

Es ist erforderlich, dass die drei basisbildenden Bewegungen durch Aktive in Planung am und Umsetzung auf dem Fest vertreten sind.

Andere Bewegungen sind natürlich ebenfalls erwünscht, sofern sie der Ethik nicht widersprechen.

Jedes Fest erhält ein jährliches Motto, in dem sich diese Verschmelzung der Netzwerke ausdrückt.

Zum Beispiel: Beobachte & Spiele, Spiele & Beobachte, Pflege den physischen & sozialen Raum, Erbeute & Lagere Fessalien, …

 

 

02. Begrenzung

  Teilnehmende und deren Anzahl.

JedeR kann Teil vom Festival sein. Niemand muss irgendwelche Bedingungen erfüllen, um Teil der Gemeinschaft zu werden. Alle sind eingeladen mitzuspielen und mitzugestalten.

Es ist auf ein Maximum von circa 80 erwachsene Menschen limitiert. Für Kinder gibt es keine Limitierung.
Diese Begrenzung hat zum einen den Zweck, dass es gemütlich bleibt. 80 Menschen können sich in Verbindung mit der „Selbstorganisation“ in 8 Tagen gut kennenlernen.
Zum anderen tritt der Mensch in gegebener Zeit an gegebenem Ort nicht all zu dominant gegenüber den eigentlichen pflanzlichen und tierischen Bewohnern des Ortes auf.

 

  Das Gelände.

Dieses Fest findet auf einem Gelände statt, welches bei ca. 80 Menschen wenigstens 7 ha groß ist.

Diese Angabe ist als eine Art Richtwert zu betrachten, denn es soll, wie schon erwähnt, menschliche Dominanz verhindert werden.

Die Größenanforderung an das Gelände schrumpft proportional zur Anzahl der Teilnehmenden.

So sind es bei 40 Teilnehmenden zum Beispiel 3,5ha.

 

  Strom.

Auf dem Fest selbst gibt es keinen elektrischen Strom.

Es sei denn, er wird durch regenerative Energien erzeugt.

Dies gilt nicht zwangsläufig auch für Auf- und Abbauarbeiten im Seed- und Crop-Camp.

 

  Die Zeit.

Es erstreckt sich über 8 Tage. Jeder Tag entspricht einem Schild des 8-Schilde-Models von Jon Young.

  1. Tag – Nord-Osten – „Anfang“ – ein reiner Ankommenstag
  2. Tag – Osten – „Inspiration & Orientierung“ – ein Einführungstag in den Organismus Humus-Festival
  3. Tag – Süd-Osten „Aktivierung“ – ein Tag der Einführungsworkshops in verschiedene Themenbereiche
  4. Tag – Süden „Fokus“ – ein Tag der Vertiefung in verschiedene Themenbereiche, sowie der „Tag der offenen Türen“
  5. Tag – Süd-Westen „Pause“ – ein Pausentag, ohne Programm
  6. Tag – Westen „Zusammenkommen & Feiern“ – ein Tag zum Ernten, Teilen, Feiern und Wertschätzen
  7. Tag – Nord-Westen / Norden „Reflektion“ – ein Tag für Feedback und das Bündeln der Erfahrungen
  8. Tag – Nord-Osten „Ende“ – ein reiner Abreisetag

Nach Bedarf können ein Seed-Camp (Aufbau-Camp) und ein Crop-Camp (Abbau-Camp) hinzukommen.

 

 

03. Durchlässigkeit

  Der Tag der offenen Türen.

Es gibt am 4. Tag (Süden – Fokus) einen Tag, den „Tag der offenen Türen“, an diesem Tag werden die Tore für Tagesgäste aufgemacht.

Das Festlegen auf den 4. Tag ist aus der Evaluation der letzten Jahre entstanden.

Dies fördert die Durchlässigkeit und Transparenz zu beispielweise den umliegenden Dörfern und ihren Bewohnern und Projekten.

Die Anzahl der Teilnehmenden kann für diesem Tag nach Belieben steigen.

 

 

04. Wechselwirkung

  Keine Spuren hinterlassen.

Die entstehende Gemeinschaft verpflichten sich, bei sämtlichen Aktivitäten keine unerwünschten sichtbaren Spuren zu hinterlassen, wo auch immer wir uns versammeln.

Wir räumen auf, bevor wir gehen und bemühen uns nach Möglichkeit, diese Plätze in besserem Zustand zurückzulassen, als wir sie vorgefunden haben.

 

  Verbote.

Es gibt auf dem Fest keine Verbote oder Zwangssolidaritäten.
Sollten Prozesse angestoßen werden, mögen sie sich entwickeln und von allen mitgestaltet werden.

Eine, im Vorfeld gebildete, Awareness-Crew legt ihr Augenmerk auf Mediations-Tätigkeiten bei eventuellen Unstimmigkeiten zwischen Wesen welcher Art auch immer.

 

 

05. Selbstorganisation.

Die Organisation findet in Crews / Kreisen statt, die angelehnt an die Soziokratie funktionieren.

Diese Organisationsstruktur bleibt flexibel und wandelbar, sofern ihre Qualitäten und Funktionen erhalten bleiben.

Auf dem Fest wird die Selbstorganisation durch verschieden große Kreise etabliert. Manche von ihnen sollten zu festen Zeiten einberufen werden. In diesem Fall sind sie freiwillige Programmpunkte, als Alternative dazu bleibt ein Open-Space. Auch diese Organisationsstruktur bleibt flexibel und wandelbar, sofern ihre Qualitäten und Funktionen erhalten bleiben.

Bisher:

  1. Kreis – Du selbst.

Sorge für dich und deine Bedürfnisse. Kommuniziere sie respektvoll.

  1. Kreis – Die Bande (ca. 8 Menschen)

Verbringt Zeit zusammen, lernt euch kennen, macht beispielsweise Befindlichkeitsrunden, spielt oder schließt euch zusammen, um ein gemeinsames Projekt über die Humuszeit hinaus zu beplanen. Es gibt keinerlei Vorgaben für dieses Zusammenkommen. In jeder Bande sind die 4 Himmelsrichtungen etwa gleichgewichtig vertreten.

  1. Kreis – Die Himmelsrichtung (ca. 20 Menschen)

Jede Himmelsrichtung lenkt ihre Aufmerksamkeit auf spezifische Aufgaben. Diese orientieren sich an der Ethik, deren Verwirklichung wichtig für ein (temporäres) Zusammenleben ist und allen zugutekommt.

  1. Kreis – Die Workshops (unbestimmte Anzahl)

Lernt und lehrt gemeinsam und voneinander.

  1. Kreis – Das Fest selbst (ca. 80 Menschen)

Dies könnte beispielsweise durch eine gemeinsame Morgen- oder Abendrunde praktiziert werden.

 

 

06. Vielfalt

  Die Küche.

Es gibt eine Cook-Crew, welche die Hauptverantwortung über die Mahlzeiten trägt, sie bemüht sich mit Unterstützung durch die Foodsharing-Crew und die Teilnehmenden um Vollcatering.

 

  Das Teilen & die Kosten.

Das Festival bemüht sich in erster Linie um eine Praxis des Teilens.

Die Bedingungslosigkeit macht Teilen so wertvoll. Wer teilt, denkt nicht darüber nach, ob er etwas zurückbekommt oder Gleichwertiges dagegen eintauschen kann.

Was die Vorbereitungen und deren Kosten angeht ist dies jedoch stark abhängig von der Zahl und dem Engagement der Mitgestaltenden.
So ergab sich die letzten Jahre ein Finanzierungsmodell bestehend aus Anmeldegebühr / Kostendeckungspreis und freiwilligen Spenden.

Nach Möglichkeit sollte die Anmeldegebühr pro Teilnehmer für 8 Tage 50€ nicht überschreiten (Kinder ausgeschlossen).
Alle weiteren anfallenden Kosten werden auf dem Fest transparent dargestellt und durch die Teilnehmenden durch freiwillige Spenden unmittelbar übernommen.

 

 

07. Rückkopplung

  Partizipations-Schlüssel

Der angestrebte Schlüssel zwischen Veranstaltenden und Teilnehmenden ist 1:1, das heißt alle, die an dem Fest teilhaben, sollten irgendwie an der Organisation dessen beteiligt sein.

 

 

08. Eigendynamik

  Entwickung

Die Feste können perspektivisch zunehmend regionaler werden, das heißt die Organisation / Mitgestaltenden / Teilnehmenden kommen aus einem Umkreis von ca. 100km um ein Fest gezielt zur Vernetzung der Region und ihrer aktiven Menschen zu werden.

 

 

09. Kooperation

Der Lernpfad zum/zur Wild-Gestalter*In

Jedes Humus kann während des Seed-Camps einem Modul des Lernpfad zum/zur Wild-Gestalter*In Platz bieten. Die Lernlinge nehmen im Rahmen ihrer Weiterbildung am Humus-Festival teil und gestalten dieses aktiv durch sogenannte „Patenschaften“ mit.

 

 

10. Flexibilität

  Gestaltungsfreiheit.

Jedes Festival hat seine, innerhalb des Rahmens der Guidelines, Eigenheiten.

Werden Punkte dieser Guideline erweitert oder verändert, braucht es dazu ein nachvollziehbares, dokumentiertes und transparentes Design anhand von Permakultur-Richtlinien.

 

 

Stand: Lauritz Heinsch, Begründer, 02.Okt 2017

 

 

 

 

 

Ökologische Grundmuster von Christopher Alexander

Man könnte sie auch als Charaktermerkmale eines sich selbst organisierenden Systems bezeichnen. Diese Merkmale finden sich bei allen bekannten ökologischen Systemen, wenn man die Frage stellt: Welches sind die Muster, d.h. die Strukturähnlichkeiten, die diesen Systemen zugrunde liegen?

  1. Kooperation: Jede Form von Symbiose, z.B. zwischen Pilzen und Bäumen.
  2. Begrenzung: Ein Ökosystem hört dort auf, wo ein anderes beginnt. So versuchen z.B. Gräser durch Wurzelausscheidungen das Wachstum der sie bedrohenden Bäume zu begrenzen.
  1. Flexibilität: Man kann sie betrachten als das ungebundene Potential der Veränderung. Durch einen eingeplanten Puffer kann das System auf nicht vorhersehbare Anforderungen reagieren, ohne in Stress zu geraten. In einer Geländeplanung wird z.B. ein Teil des Geländes freigehalten für spätere Ideen, die zum Zeitpunkt des Designs noch nicht absehbar sind.
  1. Vielfalt: Gemeint ist die Vielfalt der Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen eines Systems, die sich z.B. in einer Mischkultur einstellt.
  1. Rückkoppelung (neg./pos) = Feedback: Die Rückkoppelung ist das regelnde Element eines Systems (s.a. Biokybernetik). Ein klassisches Beispiel hierfür ist das Räuber-Beute-Verhältnis zweier Populationen. Viele Mäuse sind eine gute Grundlage zur Vermehrung einer Fuchspopulation. Viele Füchse fressen viele Mäuse. Dadurch geht das Nahrungsangebot an Mäusen zurück und es gibt weniger Füchse. Dies ist ein vereinfachtes Beispiel dafür, wie ein System sich durch negative Rückkoppelung im Gleichgewicht hält.
  1. Durchlässigkeit: Eine Tierpopulation ist beispielsweise nicht nach außen abgeschottet, sondern in Grenzen offen für das Einwandern anderer Tiere. Der Randzoneneffekt in der Ökologie basiert ebenfalls auf dem Merkmal der Durchlässigkeit.
  1. Eigendynamik: Jedes System hat gemäß seiner inneren Logik ein dynamisches Entfaltungspotential. Wir Menschen überblicken diese Dynamik oft nicht hinreichend und bemerken sie erst, wenn es zu Krisenerscheinungen oder zu Katastrophen kommt. Häufig ist es dann zuspät, um sinnvoll gegensteuern zu können.
  1. Vernetzung: Der Blickpunkt liegt primär nicht auf den einzelnen Bestandteilen eines Systems,sondern auf den Beziehungen, die sie untereinander eingehen.
  1. Wechselwirkung: Hier wird betrachtet wie die Bestandteile eines Systems sich durch ihre Vernetzung und ihren Informationsaustausch gegenseitig beeinflussen und verändern.