Leitfäden

Ihr möchtet selbst ein Humus-Festival veranstalten?

Macht doch! (:

 

Um den Humus-Geist zu verbreiten und in sämtliche Winkel zu bringen, ist es unerlässlich, dass so viele Menschen wie möglich daran mitgestalten.
Deshalb veranstaltet selbst ein Festival, wenn ihr mögt!
Um diesen Geist zu erhalten und zu pflegen findet ihr hier die Ideen, nach denen ein Humus-Fest ausgerichtet sein sollte, um als solches aufzutreten.
 

 

Die Humus-Kriterien

Das Humus-Festival ist ein selbstorganisiertes, 8-tägiges Treffen, bei dem zwischen 3 und 120 Menschen zusammenkommen, um zu spielen.

Die folgenden Ideen sind der Schlüssel für die Organisation und Umsetzung des Festivals. (inspiriert von Christopher Alexanders Ökosystem-Kriterien)

 

 

01. Vernetzung

 
  Die Basis.

Die Basis des Festivals wird maßgeblich durch die Bewegungen Permakultur, Wildnispädagogik und (Food)sharing / Flake gebildet.

 

Was verbrigt sich hinter dem Begriff „Permakultur“?

„Permakultur ist ein begeisterndes, mitreißendes Werkzeug, die eigene Welt zu verändern. Wir erkunden und gehen Wege, zukunftsfähige Lebensweisen und Lebensräume zu gestalten und zu erhalten. So soll für Mensch und Natur dauerhaft Entfaltung möglich sein. Permakultur kann auf alle Bereiche menschlichen Wirkens angewandt werden, z.B. im Garten, in Gemeinschaften, in Betrieb und Schule, im eigenen Alltag und der persönlichen Lebensgestaltung, in der Landwirtschaft, in Städten und der Politik.“

Quelle: Permakultur Akademie Berlin

 

Was verbrigt sich hinter dem Begriff „Wildnispädagogik“?

„Die so genannte Wildnis war unser aller Heimat. So wie alle Naturvölker, alle Jäger- und Sammlerkulturen waren auch wir damals auf eine unvorstellbar tiefe und vielschichtige Weise mit der Natur in all ihren Aspekten und Erscheinungsformen vertraut. Nicht nur mit unserem Verstand, sondern auch mit unserem Gefühl und unseren Instinkten waren wir auf das Engste mit der uns umgebenden Schöpfung verwoben und wir verstanden uns als Teil davon. Im Laufe unseres Kultivierungs- und Zivilisierungsprozesses ist uns die Natur fremd geworden. Wir verstehen sie nur noch rudimentär und vor Wildnis haben wir Angst.“

Quelle: Wildnisschule Wildniswissen

 

Was verbrigt sich hinter dem Begriff „Foodsharing“?

„Wir sind eine Initiative, die sich gegen Lebensmittelverschwendung engagiert. Wir „retten“ ungewollte und überproduzierte Lebensmittel in privaten Haushalten sowie von kleinen und großen Betrieben. Darüber hinaus verstehen wir uns als bildungspolitische Bewegung und fühlen uns nachhaltigen Umwelt- und Konsumzielen verpflichtet.“

Quelle: Foodsharing.de

 

Was verbrigt sich hinter dem Begriff „FLAKE“?

„Die „Flake“ ist ein Ort der Begegnung und Spielplatz der Vernetzung, an dem Bedürfnisse, Ressourcen, Informationen und Ideen sichtbar gemacht, kombiniert und vereint werden können. Zusammen experimentieren wir hier mit einer Alternative zum Tauschen und machen erfahrbar, was es heißt, bedingungslos miteinander zu teilen.“

Quelle: FLAKE.world

 

Daraus entstand für die Humus-Festivals folgende interdisziplinär Ethik:

earthcare, peoplecare, fairshare & aware(ness)

Es ist erforderlich, dass die drei basisbildenden Bewegungen durch Aktive in Planung am und Umsetzung auf dem Fest vertreten sind. Um so dem vernetzenden Anspruch gerecht zu werden.

So hat eine Humus-Kernorgatruppe mindestens aus drei aktiven Menschen der drei Bereiche zu bestehen, welcher Zusammensetzung – ob 3 Permis oder 2 Permis und 1 Wildling oder 1 Permi, 1 Wildling und ein 1 foodi, … – ist hierbei irrelevant.

Ebenfalls erforderlich auf den Festen sind mindestens Einführungsworkshops in Permakultur, Wildnispädagogik und (Food)sharing / Flake. Damit deutlich gemacht werden kann, worum es in den Bewegungen geht, wo genau die jeweiligen Qualitäten liegen und Netzwerke voneinander lernen können.

Besonders erwünscht sind fachbezogene und vertiefende Workshops, im günstigsten Fall durch Orgainterne, Teilnehmende, oder falls nicht anders möglich durch externe Experten.

Die Teilnehmenden der Feste sollten außerdem zum Großteil aus Menschen der drei Netzwerke bestehen.

DENN: die Humus-Festivals sind in erster Linie eine Vernetzungs-Veranstaltung derer.

Andere Bewegungen oder Menschen sind natürlich ebenfalls erwünscht und eingeladen, sofern sie der Ethik und der dieser grundsätzlichen Ausrichtung nicht widersprechen.

 

Jedes Fest erhält ein speziefisches Motto, in dem sich diese Verschmelzung der Netzwerke ausdrückt.

Zum Beispiel gab es bereits folgende Motts: „Beobachte & Spiele“, „Spiele & Beobachte“, „Pflege den physischen & sozialen Raum“, „Gemische, Konzentrationen und kleine, langsame Lösungen“, „Erbeute & lagere Fessalien“, „Verschwende nichts“, „Vom Muster zum Fuchsschwanz“, „Nutze Selbstorganisation und kultiviere Festlichkeit“, „Vielfalt & ihre Verbindungen“, „Schaffe kreative Übergänge und Bindungen“, „Spare nicht am Geschmack“, „nice ’n easy“, …

 

 

02. Begrenzung

 
  Teilnehmende und deren Anzahl.

JedeR kann Teil vom Festival sein. Niemand muss irgendwelche Bedingungen erfüllen, um Teil der Gemeinschaft zu werden. Alle sind eingeladen mitzuspielen und mitzugestalten.

Jedes Fest ist auf ein Maximum von 120 erwachsene Menschen limitiert. Für Kinder gibt es keine Limitierung.
Diese Begrenzung hat zum einen den Zweck, dass es gemütlich bleibt.

Bis zu 120 Menschen können sich in Verbindung mit der „Selbstorganisation“ in 8 Tagen noch gut kennenlernen.
Zum anderen tritt der Mensch in gegebener Zeit an gegebenem Ort nicht all zu dominant gegenüber den eigentlichen pflanzlichen und tierischen Bewohnern des Ortes auf.

Wenn 1000 Menschen einen Platz 8 Tage lang einnehmen, haben alle anderen Lebensformen oft das Nachsehen und die Zeit bis sich der Platz von beispielweise Bodenverdichtungen und Habitatsstörungen erholt ist deutlich länger.

 

  Das Gelände.

Jedes Fest findet auf einem Gelände statt, welches bei ca. 60 Menschen wenigstens 6 ha groß ist (pro 10 Menschen, 1 ha).

Diese Angabe ist als eine Art Richtwert zu betrachten, denn es soll, wie schon erwähnt, menschliche Dominanz verhindert werden.

Liegt das Gelände beispielsweise umgeben von Wald, darf bespielte Gelände selbst auch kleiner sein als der angegebene Schlüssel.

 

  Strom.

Auf dem Fest selbst gibt es keinen elektrischen Strom.

Es sei denn, er wird durch regenerative Energien erzeugt.

Dies gilt nicht zwangsläufig auch für Auf- und Abbauarbeiten im Seed- und Crop-Camp.

Es sollte dennoch beherzigt werden.

 

  Darbietungen.

Darbietungen, Aufführungen, Auftritte, Shows oder ähnliches sind sehr willkommen, sollten allerdings handgemacht sein.

Beispiesweise ist Musik aus Boxen oder Anlagen ist nur dann erwünscht, wenn sie:

1. Von den Musikern live gespielt wird

2. Die Verstärker mit Strom aus regenerative Energien versorgt werden (z.B.: solargeladene Akkubatterien)

3. Die Musik nicht lauter ist als eine Djembe (einfellige, westafrikanische Bechertrommel) gespielt werden kann.

Dies gilt nicht zwangsläufig für die Seed- und Crop-Camps oder Planungstreffen.

 

  Die Zeit.

Das Fest erstreckt sich über 8 Tage. Jeder Tag ist inspiriert von und angelehnt an je einem Schild des 8-Schilde-Models von Jon Young, welches natürliche Kreisläufe beschreibt.

  1. Tag – Nord-Osten – „Anfang“ – ein reiner Ankommenstag
  2. Tag – Osten – „Inspiration & Orientierung“ – ein Einführungstag für die gesamte Gruppe in den Organismus „Humus-Festival“, die Selbstorganisations-Struktur wird erklärt und eingeführt, das Gelände und die Workshopbereiche werden vorgestellt,…
  3. Tag – Süd-Osten „Aktivierung“ – ein Tag der Einführungsworkshops in die verschiedene Themenbereiche (mindestens Permakultur, Wildnispädagogik, Foodsharing und Flake)
  4. Tag – Süden „Fokus“ – ein Tag der Vertiefung in verschiedene Themenbereiche und Bauworkshops, sowie der „Tag der offenen Türen“
  5. Tag – Süd-Westen „Pause“ – ein Pausentag, ohne Programm, maximal Workshops die die Qualität der „Pause“ als Thema haben
  6. Tag – Westen „Zusammenkommen & Feiern“ – ein Tag zum Ernten, Teilen, Feiern und Wertschätzen
  7. Tag – Nord-Westen / Norden „Reflektion“ – ein Tag als gesamte Gruppe für Feedback, das Bündeln der Erfahrungen und um den Kreis zu schließen
  8. Tag – Nord-Osten „Ende“ – ein reiner Abreisetag

Nach Bedarf können ein Seed-Camp (Aufbau-Camp) und ein Crop-Camp (Abbau-Camp) hinzukommen.

 

  Die Ankündigung, Anmeldefreischaltung und die Anmeldungen.

Den Link zur freigeschalteten Anmeldung bekommen in dieser Reihenfolge als:

  1. Orgamitglieder und andere Mitwirkende, deren Freunde und regionale Projekte und Aktive
  2. Humus-Newsletterangemeldete / Menschen, die bereits auf einem Humus waren
  3. Menschen, die in Zukunft selbst ein Humus veranstalten möchten
  4. Menschen aus den Netzwerken Permakultur, Wildnispädagogik, Foodsharing und Flake
  5. Öffentliche, soziale Mediengruppen

(Dies ist vor allem in den ersten Jahren des sich in der Region etablierenden Festes notwendig um eine gemeinsame Kultur zu entwickeln)

 

Anmeldungen werden nach folgendem Prinzip präferiert behandelt:

  1. Anmeldungen für alle 8 Festivaltage (damit der Gesamtprozess erlebbar wird und sich die Gruppe nicht durch früher Abreisende oder später Ankommende zerfleddert)
  2. Anmeldungen mit bestätigigtem Eingang der Anmeldegebühr bzw. des Kostendeckungsbeitrags, des unterschriebenen Haftungsauschlusses und des Booklet-Losungsworts innerhalb des angegebenen Einsendeschlusses.
 
 
 

03. Durchlässigkeit

 
  Der Tag der offenen Türen.

Es gibt am 4. Tag (Süden – Fokus) einen Tag, den „Tag der offenen Türen“, an diesem Tag werden die Tore für Tagesgäste aufgemacht.

Das Festlegen auf den 4. Tag ist aus der Evaluation der letzten Jahre entstanden.

Dies fördert die Durchlässigkeit und Transparenz zu beispielweise den umliegenden Dörfern und ihren Bewohnern und Projekten.

Die Anzahl der Teilnehmenden kann für diesem Tag nach Belieben steigen.

 

 

04. Wechselwirkung

 
  Keine Spuren hinterlassen.

Die entstehende Gemeinschaft verpflichten sich, bei sämtlichen Aktivitäten keine unerwünschten sichtbaren Spuren zu hinterlassen, wo auch immer wir uns versammeln.

Wir räumen auf, bevor wir gehen und bemühen uns nach Möglichkeit, diese Plätze in besserem Zustand zurückzulassen, als wir sie vorgefunden haben.

 

  Das Gelände gestalten.

Erwünschte Veränderungen anhand der natürlichen Sukzession und/oder in Absprache mit den Hüter*innen des Geländes sind natürlich möglich. Dafür benötigt es allerdings einen Gestaltungsprozess begleitet durch die Qualitäten der Basisbewegungen um blinden Aktionismus zu vermeiden. Für größere Veränderungen sollte der Planungsprozess allerdings bereits vor dem Festival beginnen.

 

  Verbote.

Es gibt auf dem Fest, abgesehen von den hier aufgeführten Leitfäden, keine Regel, ebensowenig wie Verbote oder Zwangssolidaritäten.
Sollten Prozesse angestoßen werden, mögen sie sich entwickeln und von allen mitgestaltet werden.

Das Fest ist ein Experimentierfeld für das Erproben eines gemeinschaftlichen Lebens mit allen Möglichkeiten und Herausforderungen.

Doch: Besonders stark negativ auffallende und gefährdende Menschen, wie beispielsweise Manipulator*innen werden umgehend entsorgt. Es sind Kinder und Wehrlose anwesend, da hört der Spaß auf.

Die anwesende Kernorga bildet mit den Geländehüter*innen einen souveränen und verantwortlichen Rat, der über solche Fälle entscheidet und bei Bedarf umgehend handelt.

 

 

05. Vielfalt

 
Das Teilen.

Das Fest bemüht sich in erster Linie um eine Praxis des Teilens.

Die Bedingungslosigkeit macht Teilen so wertvoll. Wer teilt, denkt nicht darüber nach, ob er etwas zurückbekommt oder Gleichwertiges dagegen eintauschen kann.

Beim Teilen geht es um die individuellen Qualitäten und Fähigkeiten der Menschen und ihre Beziehung zu diesen und zu einander. Dies sollte zu jeder Zeit gefördert und wertgeschätzt werden.

 

 

06. Rückkopplung

 

  Umgang mit Geld.

Was die Vorbereitungen und deren Kosten angeht ist dies jedoch stark abhängig von der Zahl und dem Engagement der Mitgestaltenden.
So ergab sich die letzten Jahre ein Finanzierungsmodell bestehend aus Anmeldegebühr bzw. Kostendeckungspreis und die freiwilligen Spenden.

Nach Möglichkeit sollte die „Anmeldegebühr“ pro Teilnehmer für 8 Tage 50€ nicht überschreiten (Kinder ausgeschlossen).

Diese ist für die benötigte Basisinfrastruktur (wie zum Beispiel den Bau von Komposttoiletten, Zelte, Werkzeug, …)

Damit angeschafftes Material soll weiterhin und dauerhaft dem Humus-Netzwerk für andere Feste niedrigschwellig zur Verfügung stehen.

Alle weiteren anfallenden Kosten werden auf dem Fest transparent dargestellt und durch die Teilnehmenden durch freiwillige Spenden unmittelbar übernommen.

So gibt es eine transparente Finanzübersicht mit je einem Spendentopf für beispielsweise „Lebens- und Küchenbedarfsmittel“, „Konsumgüter“, „Referenten- und Künster*innen-Aufwandsentschädigungen und Workshopmaterialien“, „Reparaturen“, …

Ich empfehle zuerst die Spenden einzusammen, bevor Geld ausgegeben wird, so wird vermieden, dass einzelne dem vorgelegten Geld hinterherlaufen müssen. Ebenso empfehle ich möglichst viel ohne die Verwendung von Geld zu lösen.

 

  Partizipations-Schlüssel

Der angestrebte Schlüssel zwischen Veranstaltenden und Teilnehmenden ist 1:1, das heißt alle, die an dem Fest teilhaben, sollten irgendwie an der Organisation dessen beteiligt sein.

 

 

07. Eigendynamik

 
Entstehung im Vorfrühling.

Das Humusjahr beginnt mit dem großen „Humus-Vorfrühlings-Thing“, ein Reflexions- und Planungstreffen Ende Februar / Anfang März.

Auf diesem Treffen haben alle, die bereits an einem Humus-Fest mitgewirkt haben oder die an irgendeinem Humus-Fest im aktuellen Jahr mitwirken möchten, die Gelegenheit und Souveränität die Geschicke der Feste für das laufende Jahr zu erträumen, planen, beschließen und in Gang zu setzen.

Das Treffen umspannt mindestens 4 Tage und es sollten wenigstens 2 Vertreter jedes angekündigten Humus-Festes anwesend sein. Das Programm des Treffens ist völlig frei gestaltbar.

Meine Empfehlung ist es den Fokus darauf zu legen gemeinsam viel Zeit am Feuer zu verbringen mit spontanen Gesprächen, Witzen und Jamsessions. Denn die Basis der Humus-Kultur ist das „Feiern“ und die Lebensfreude.

 

  Gesamtentwickung.

Die Feste können perspektivisch zunehmend regionaler werden, das heißt die Organisation / Mitgestaltenden / Teilnehmenden kommen aus einem Umkreis von ca. 100km um ein Fest gezielt zur Vernetzung der Region und ihrer aktiven Menschen zu werden.

Die Leitfragen dazu: Wie kann das Humus die Vernetzung in der Region fördern und wie kann die Region das Humus beleben?

 
  Selbstorganisation.

Die Geschicke des jeweiligen und ausschließlich des jeweilig aktuellen Jahres werden auf dem „Vorfrühlings-Thing“ entschieden und gelenkt.

Die Organisation im Vorhinein findet in suveränen Crews bzw. Kreisen statt, die angelehnt an die Soziokratie (hierarchiefreie Organisationsstruktur) wirken.

Diese Organisationsstruktur bleibt flexibel, wandel- und gestaltbar, sofern ihre Qualitäten und Funktionen erhalten bleiben.

Von einer Dachverbandsgründung wie einem Verein der ähnlichem ist abzusehen. Die Humus-Festivals bleiben im gesamten eine Initiative und Graswurzelbewegung.

Einzelne Humus-Festivals können durchaus durch Vereine oder andere Organisationsformen entstehen oder betreut werden, sofern sie diesen Leitfäden nicht widersprechen.

Falls die Vorzüge eines gemeinnützigen Vereins benötigt werden sollten, kann eine Kooperation mit dem „Pfadis e.V.“ der Pfadis der Wildgestaltung eingegangen werden. Die Satzung des Vereins ist darauf ausgelegt auch Veranstaltungen wie „Humus-Festivals“ zu fördern.

 

Auf dem Fest selbst wird die Selbstorganisation durch verschieden große Kreise etabliert. Manche von ihnen sollten zu festen Zeiten einberufen werden. In diesem Fall sind sie freiwillige Programmpunkte, als Alternative dazu bleibt ein Open-Space. Auch diese Organisationsstruktur bleibt flexibel, wandel- und gestaltbar, sofern ihre Qualitäten und Funktionen erhalten bleiben.

 

Am Beispiel ausgehend von 80 Menschen:

  1. Kreis – Du selbst.

Sorge für dich und deine Bedürfnisse. Kommuniziere sie respektvoll.

 

  1. Kreis – Die Bande (ca. 8 Menschen)

Verbringt Zeit zusammen, lernt euch kennen, sorgt für einander, passt aufeinander auf, macht beispielsweise
Befindlichkeitsrunden, spielt oder schließt euch zusammen, um ein gemeinsames Projekt über die Humuszeit hinaus zu beplanen. Es gibt keinerlei Vorgaben für dieses Zusammenkommen. In jeder Bande sind im Idealfall die 4 Himmelsrichtungen etwa gleichgewichtig vertreten.

 

  1. Kreis – Die Himmelsrichtung (ca. 20 Menschen)

Jede Himmelsrichtung lenkt ihre Aufmerksamkeit auf spezifische Aufgaben. Diese orientieren sich an der Ethik, deren Verwirklichung wichtig für ein (temporäres) Zusammenleben ist und allen zugutekommt.

(Banden und Himmelsrichtungen können je nach Bedarf auch die gleichen Kreise sein)

 

  1. Kreis – Die Workshops (unbestimmte Anzahl)

Lernt und lehrt gemeinsam und voneinander.

 

  1. Kreis – Das Fest selbst (ca. 80 Menschen)

Dies könnte beispielsweise durch eine gemeinsame Morgen- oder Abendrunde praktiziert werden. Die gesamte Gruppe kommt an „Tag 2“ und „Tag 7“ vermehrt zusammen.

 

  Die Küche.

Empfohlenerweise gibt es eine feste Cook-Crew, welche die Hauptverantwortung über die Mahlzeiten trägt, sie bemüht sich mit Unterstützung durch die Foodsharing-Crew und die Teilnehmenden um Vollcatering und den Lebensmittelüberblick.

 
 

 

08. Kooperation

Jedes Humus kann und ist beherzt dazu ermuntert Kooperationen mit regional umliegenden Projekten und Menschen eingehen. Je stärker die Vernetzung zum Umland, desto fruchtbarer die Veranstaltung.

Beispielsweise: SoLaWis, Gemeinschaftsgärten, transitiontown-Bewegungen, Wildnisschulen, Waldkitas, Foodsharing-Gruppen, Umsonstläden, RepairCafés,…

 

 

09. Flexibilität

 

  Gestaltungsfreiheit.

Jedes Festival hat seine, innerhalb des Rahmens der Leitfäden, Eigenheiten.

Die Kernorga ist dazu ermächtigt damit zu spielen.

Werden Punkte dieser Leitfäden erweitert oder verändert, braucht es dazu allerdings ein nachvollziehbares, dokumentiertes und transparentes Design anhand von Permakultur-Richtlinien.

Damit das Netzwerk aus dem Prozess und den Erfahrungen lernen und sich weiterentwickeln kann.

 

Stand: Lauritz Heinsch, Begründer, 02.Okt 2017

 

 

Ökologische Grundmuster von Christopher Alexander

Man könnte sie auch als Charaktermerkmale eines sich selbst organisierenden Systems bezeichnen. Diese Merkmale finden sich bei allen bekannten ökologischen Systemen, wenn man die Frage stellt: Welches sind die Muster, d.h. die Strukturähnlichkeiten, die diesen Systemen zugrunde liegen?

  1. Kooperation: Jede Form von Symbiose, z.B. zwischen Pilzen und Bäumen.
  2. Begrenzung: Ein Ökosystem hört dort auf, wo ein anderes beginnt. So versuchen z.B. Gräser durch Wurzelausscheidungen das Wachstum der sie bedrohenden Bäume zu begrenzen.
  1. Flexibilität: Man kann sie betrachten als das ungebundene Potential der Veränderung. Durch einen eingeplanten Puffer kann das System auf nicht vorhersehbare Anforderungen reagieren, ohne in Stress zu geraten. In einer Geländeplanung wird z.B. ein Teil des Geländes freigehalten für spätere Ideen, die zum Zeitpunkt des Designs noch nicht absehbar sind.
  1. Vielfalt: Gemeint ist die Vielfalt der Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen eines Systems, die sich z.B. in einer Mischkultur einstellt.
  1. Rückkoppelung (neg./pos) = Feedback: Die Rückkoppelung ist das regelnde Element eines Systems (s.a. Biokybernetik). Ein klassisches Beispiel hierfür ist das Räuber-Beute-Verhältnis zweier Populationen. Viele Mäuse sind eine gute Grundlage zur Vermehrung einer Fuchspopulation. Viele Füchse fressen viele Mäuse. Dadurch geht das Nahrungsangebot an Mäusen zurück und es gibt weniger Füchse. Dies ist ein vereinfachtes Beispiel dafür, wie ein System sich durch negative Rückkoppelung im Gleichgewicht hält.
  1. Durchlässigkeit: Eine Tierpopulation ist beispielsweise nicht nach außen abgeschottet, sondern in Grenzen offen für das Einwandern anderer Tiere. Der Randzoneneffekt in der Ökologie basiert ebenfalls auf dem Merkmal der Durchlässigkeit.
  1. Eigendynamik: Jedes System hat gemäß seiner inneren Logik ein dynamisches Entfaltungspotential. Wir Menschen überblicken diese Dynamik oft nicht hinreichend und bemerken sie erst, wenn es zu Krisenerscheinungen oder zu Katastrophen kommt. Häufig ist es dann zuspät, um sinnvoll gegensteuern zu können.
  1. Vernetzung: Der Blickpunkt liegt primär nicht auf den einzelnen Bestandteilen eines Systems,sondern auf den Beziehungen, die sie untereinander eingehen.
  1. Wechselwirkung: Hier wird betrachtet wie die Bestandteile eines Systems sich durch ihre Vernetzung und ihren Informationsaustausch gegenseitig beeinflussen und verändern.